Menschenrechte

Habibollah Latifi: Familie verhaftet - weiter drohende Hinrichtung

Dieser Beitrag sollte eigentlich eine Erfolgsmeldung werden. Immerhin konnte, auch mit Hilfe einer internationalen Kampagne, eine Aufschiebung der für den 26. Dezember geplanten Hinrichtung von Habibollah Latifi erreicht werden. Die Beteiligung in den letzten Tagen war groß, so wurden z.B. mehr als 50.000 E-Mails über die Website United4Iran.org versendet. Wir danken an dieser Stelle allen, die mitgeholfen haben! Proteste gab es auch vor iranischen Botschaften und Konsulaten weltweit und im Iran selbst. Auch Mitgefangene im Gefängnis von Sanandaj setzten sich mit großem Mut gegen die Hinrichtung von Habibollah Latifi ein.

Danksagung der Schwester Habibollah Latifis an alle Aktivisten: http://persian2english.com/?p=18151

Die Freude dauerte aber nicht lange an. Heute morgen erreichte uns die Nachricht, dass auch die Familie von Habibollah Latifi verhaftet wurde. Nach einer Meldung von HRANA (Farsi) durchsuchten Sicherheitsbeamte gestern gegen 22 Uhr das Haus seines Vaters und verhafteten die anwesenden Familienmitglieder.

Mehr als 30 Sicherheitsbeamte sollen an dieser Aktion beteiligt gewesen sein. Sie beschlagnahmten einen Computer und nahmen neben den Familienangehörigen Latifis auch einen Gast der Familie fest. Alle Verhafteten wurden an einen bislang unbekannten Ort gebracht.

Es ist zu befürchten, dass das Todesurteil jederzeit vollstreckt werden kann!

Quelle (English): http://banooyesabzirani.blogspot.com/2010/12/breaking-news-security-forc...

EILAKTION!! Hinrichtung von Habib Latifi am 26. Dezember

URGENT!! Revolutionary Court Sets Habibollah Latifi’s Execution Date for December 26th

Habibollah Latifi ist Student an der Universität Eylam und kurdischer Aktivist. Er wurde im Oktober 2007 verhaftet und sitzt im Gefängnis von Sanandaj. Er beteiligte sich an einem Hungerstreik in Protest gegen die Hinrichtung von Ehsan Fatahian am 11. November 2009.

Der Termin für die Hinrichtung des kurdischen politischen Gefangenen Habibollah Latifi ist seinem Anwalt mitgeteilt worden. Quelle: Julias Blog

Am Donnerstag, dem 23. Dezember, informierten Justizbeamte Latifis Anwalt Saleh Nikbakht darüber, dass das Todesurteil gegen seinen Klienten definitiv am Sonntag, dem 26. Dezember 2010 vollstreckt wird.

In Interviews mit den Medien hatte Nikbakht zuvor Sorge über die möglicherweise bevorstehenden Hinrichtung geäußert: „Wenn das Urteil rechtskräftig wird, kann die Hinrichtung nur noch gestoppt werden, indem wir eine neue Verhandlung beantragen. Wir haben schon früher ohne Erfolg versucht, den Fall neu aufrollen und neu verhandeln zu lassen. Abgesehen davon bleibt dem Anwalt nur noch, um Begnadigung zu bitten.“

Hengameh Shahidi - kein Telefonkontakt zur Aussenwelt

Diese Meldung vom 25. November 2010 erreichte uns (in der deutschen Übersetzung) erst jetzt. Es gibt aber derzeit keine neueren Informationen zu dem Fall.

Ein Bekannter von Hengameh Shahidi, der inhaftierten Journalistin, hat der Organisation "International Campaign for Human Rights in Iran" gegenüber berichtet, dass ihre Familie sie am Dienstag im Gefängnis Evin besucht hat. In dieser Begegnung habe Hengameh Shahidi, die zurzeit nicht telefonieren darf, ihrer Familie mitgeteilt, dass sie nach zwei Wochen Hungerstreik von der Einzelhaft in die Gruppenhaft verlegt worden sei.

Davor hatte sie ihren krankheitsbedingten Hafturlaub angetreten, war aber vorzeitig während des Hafturlaubs wieder ins Gefängnis vorgeladen worden, wodurch die ärztliche Behandlung nicht abgeschlossen werden konnte.

Hengameh Shahidi war ursprünglich zusammen mit einigen anderen studentischen Aktivisten und FrauenrechtlerInnen in die Methadon-Abteilung (Haftabteilung für Drogenabhängige) eingeschlossen worden. Während ihres Hungerstreiks wurde sie mehrmals in das gefängniseigene Krankenhaus eingeliefert.

Nach den Angaben des Bekannten von Hengameh Shahidi wurde auch Zahra Bahrami in die Gruppenhaft verlegt. Hengameh Shahidi ist es seit 4 Monaten untersagt, mit ihrer Familie Kontakt aufzunehmen.

Negativrekorde, Sorge um politische Gefangene und das Schweigen der Medien

Die Islamische Republik Iran stellt immer wieder Rekorde auf - leider in der Regel negative. Einige Beispiele aus der jüngsten Zeit wollen wir an dieser Stelle erwähnen:

1) Die größte Zahl an inhaftierten Journalisten: Blogger Arshama hat eine Liste aufgestellt, wonach über 100 Journalisten, Blogger und freie Medienmitarbeiter in Haft oder (in einigen Fällen) nur auf Kaution frei sind. Link

Darunter befinden sich die beiden deutschen Reporter Jens Koch und Markus Hellwig. Sie wurden am 10. Oktober 2010 verhaftet, als sie die Hintergründe des Steinigungsurteils gegen Sakineh Ashtiani recherchieren wollten. Die deutschen Medien schweigen beharrlich zu dem Vorfall und wollen die Namen der beiden Reporter nicht veröffentlichen. Kommentar der Neuen Zürcher Zeitung: Solidarität als halbherzige Pflichtübung

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