Flüchtlinge in Van nach Erdbeben ohne Hilfe und Unterkunft

ICHRI, 27. Oktober 2011 – Nach dem Erdbeben der Stärke 7,2 nahe der türkischen Stadt Van ist die Situation der in der Stadt lebenden iranischen Flüchtlinge dramatisch. Nach ICHRI vorliegenden Berichten haben viele Flüchtlinge durch das Beben ihr Dach über dem Kopf verloren und haben nicht einmal Notunterkünfte zur Verfügung. Ernsthaft körperlich zu Schaden gekommen ist glücklicherweise offenbar keiner der iranischen Flüchtlinge. Viele gaben gegenüber ICHRI an, dass sie die Stadt nicht verlassen dürften und unter freiem Himmel schlafen müssten. Die türkische Regierung hat die Bürger wegen des Notstandes und aus Furcht vor neuen Beben offenbar aufgefordert, die Stadt zu verlassen bzw. für die Dauer mehrerer Wochen nicht mehr in ihren Häusern zu leben. In den letzten 48 Stunden soll es Flüchtlingen gestattet worden sein, für kurze Zeit die Stadt zu verlassen und sofort darauf wieder zurückzukehren.

„Nach dem Erdbeben hat die Regierung für die kommenden drei Wochen den Notstand ausgerufen und die Menschen aufgefordert, ihren Häusern fernzubleiben. Wer ein Auto hat, hat die Stadt verlassen, andere leben in Zelten vor ihren Häusern. Die Flüchtlinge, die keine Ausstattung zur Verfügung haben, müssen trotz der Kälte im Freien leben. Wir dürfen die Stadt nicht verlassen“, so der iranische Asylsuchende Ali Nazari, der sich in der Türkei aufhält, gegenüber ICHRI.

„Es ist hier extrem kalt, und den Prognosen zufolge soll es übermorgen zu schneien beginnen. Wir wissen nicht, was wir machen sollen. Meine Freunde und ich [... unverständlich] haben die letzte Nacht ohne Zelte im Freien verbracht. Wir haben seit 24 Stunden nicht geschlafen.“

„Weil hier sehr viele Flüchtlinge aus Iran und Afghanistan leben, weiß ich leider nur über die Leute Bescheid, mit denen ich zu tun habe. Ihnen allen geht es gut, sie sind unverletzt. Viele von ihnen haben aber ihre Unterkunft verloren, ihre Häuser sind nicht mehr bewohnbar.“

Sahar Rezazadeh, eine aus Iran geflüchtete Studentin, berichtet: „Die meisten Einwohner haben die Stadt mittlerweile verlassen, aber wir Flüchtlinge dürfen nicht aus der Stadt heraus. Letzte Nacht war es kalt, und wir hatten im Freien alle sehr zu kämpfen. Heute (Montag) waren mehrere von uns beim UNCHR und konnten nach mehreren Stunden endlich verhandeln. Sie haben die Erlaubnis erhalten, die Stadt für eine Woche zu verlassen, aber bis jetzt gibt es keine Fahrzeuge, mit denen sie aus der Stadt herauskommen könnten.“

„Bevor die Flüchtlinge am Montag beim UNHCR vorsprachen, hat sich niemand um die Situation der Flüchtlinge Gedanken gemacht. Das UNCHR-Büro ist zwei oder drei Wochen geschlossen. Ich bezweifle, dass von dort irgendwelche Hilfe kommen wird. Wir wissen nicht, was jetzt passiert. Wir dürfen eine Woche lang raus aus der Stadt, aber der von der türkischen Regierung verhängte Notstand gilt drei Wochen lang.“

Übersetzung aus dem Englischen: Julia
Quelle: International Campaign for Human Rights in Iran

Wenn Sie die iranischen Flüchtlinge in Van unterstützen möchten, richten Sie Ihre Spende bitte an
Flüchtlingshilfe Iran e. V.
Vielen Dank!

Fotos von der Katastrophe: RFE/RL