Spotlight für die Gefangenen in Iran?

Beitrag von Uli v. Sanden für die Konferenz "Menschen, Rechte, Freiheit - Iran" am 2. Mai in München. Internationale Organisation zum Schutz der Menschenrechte in Iran

Amnesty International Deutschland - uns allen hier hinreichend bekannt - feiert heuer den 50. Geburtstag. Einzelne Amnesty Gruppen schreiben Briefe, Postkarten, nicht im Namen von Amnesty, sondern als Individuen ehrenamtlich, kümmern sich um Einzel’fälle‘; die Untersuchungen im Iran selber werden durch festangestellte researcher von London aus vorgenommen; so ist z.B. die Verurteilung des sprunghaften Anstiegs der Hinrichtungen seit Dezember 2010 (alle 8 Stunden eine Hinrichtung) von Amnesty International herausgegeben worden.

Oft stoßen wir auf die Forderung: "Amnesty .. soll .. - Amnesty hat nur die Macht, die es durch die Vielzahl seiner Mitglieder erhält"...

In Deutschland ist für Iran die Koordinationsgruppe zuständig http://www.amnesty-iran.de/ - Peggy Kurpiers / Werner Kohlhauer - Asylgutachten Dieter Karg

Nach diesen umstrittenen Wahlen vom 12. Juni 2009 und den daraufhin massiv ansteigenden Menschenrechtsverletzungen und unserem Entsetzen darüber, hatten wir seit Herbst 2009 versucht in München eine Irangruppe zu finden.

Schließlich wurde im Januar 2010 ein ARBEITSKREIS Iran gegründet, aus dem später unsere Gruppe 1210 hervorging.

Selbstredend sind wir eine ganz besondere Gruppe; wir haben uns gefunden, weil wir im Rahmen von Amnesty International gezielt zum Land Iran arbeiten wollten; üblicherweise finden Menschen erst ihren Weg zu Amnesty und suchen sich dann ein Thema aus .. unser Weg war umgekehrt - uns hat das Thema erfüllt, und wir haben uns Amnesty gewählt.

Wir sind sehr gerne bereit mit anderen Menschenrechtsgruppen zu Iran zusammenzuarbeiten .

Ein paar Beispiele will ich Euch erzählen:
den Weltfrauentag im März 2010 haben wir zum Anlaß genommen Iranischer Frauen zu gedenken; deren Situation ist durch ihre diskriminierte Stellung in der islamischen Verfasssung rechtloser als die eines Mannes; d.h. sie sind ganz besonderen Härten der Justiz ausgesetzt. das im Detail zu erklären, übersteigt mein Wissen über den Islam und Staatslehre - dafür haben wir hier Fachleute - Ich kenne nur die Auswirkungen dieses menschenverachtenden Rechtssprechung‘.

Ein Augenmerk liegt bei einer Frauengruppe: den ‚mourning mothers‘ - ihnen fühle ich mich persönlich als Mutter besonders nahe; dazu gehören Hajar Rostami Motlagh, Neda Agha Soltan’s Mutter, der nach Neda’s Ermordung vom Regime sogar die traditionellen Trauerfeierlichkeiten verboten wurden, Parvin Fahimi, die Mutter von Sohrab Aarabi, die ihren bei einer Demo im Juni 2009 verschwundenen Sohn gesucht hat - ihn erst 4 Wochen später in einer Leichenhalle der Staatsanwaltschaft gefunden hat - bis heute darum kämpft herauszubekommen, wie ihr Sohn umgekommen ist.

Keine der beiden Frauen kennen wir persönlich - von Angesicht - ihre Schicksale sind mir präsent - sie gehören mit vielen anderen Müttern, Schwestern, Freundinnen, Tanten, Großmüttern zu den Mothers of Peace; vom 27. Juni 2009 an haben sie sich jeden Samstag zur Todesstunde von Neda im Lalehpark in Tehran versammelt - schweigend, mit Kerzen, oder singend.

Immer wieder wurden dabei einige verhaftet, bedroht, verfolgt. Sie fordern keinen Umsturz, - sie fordern Gerechtigkeit, wie sie im Gesetz steht - selbst das wird ihnen als staatsfeindliche Tätigkeit ausgelegt . -

Bis 23 von ihnen im Januar 2009 verhaftet wurden, sie wurden zu 10 in eine 4 m² große Einzelzelle gesperrt, gedemütigt, verhört, geschlagen, zwar wurden sie nach 2 Wochen entlassen, offensichtlich mit der Drohung auch ihre Familien zu inhaftieren, sollten sie ihren Protest nicht einstellen; DAMIT hat das Regime es geschafft, daß ihr öffentlicher, friedlicher Protest gegen den staatlichen Mord an ihren Kindern, an willkürlicher Verhaftung, Folter erstickt wurde.

Einzelne, wie Parvin Fahimi haben sich auch davon nicht mundtot machen lassen - sie gibt Interviews, hört nicht auf, nach den Hintergründen zu fragen. Sie bleibt für mich persönlich die Personifizierung der trauernden Mütter, - sie kann es nicht wissen, aber sie hat in mir eine treue Freundin.

http://www.facebook.com/note.php?saved&&note_id=188599993694

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Jedes Jahr zum persichen Neujahrsfest nowrouz Ende März ruft Amnesty zur besonderen Solidarität - z.B. mit einer Postkartenaktion- für einzelne Gefangene im Iran auf: uns besonders an Herz gewachsen war /und ist Shiva Nazar Ahari; schon vor der Gründung unserer Gruppe am 23 September 2009 hatten wir gemeinsam ihre Entlassung aus Evin gefeiert -

Shiva Nazar Ahari, 27 Jahre alt, ist eine iranische Menschenrechtsaktivistin und Bloggerin. Sie war Gründungsmitglied und Sprecherin des Students Committee in Defense of Political Prisoners und wurde deshalb 2004 zum ersten Mal verhaftet und zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Von diesen 5 Jahren Haftstrafe waren 4 Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Shiva ist außerdem Mitglied des Committe of Human Rights Reporters, einer iranischen Menschenrechtsorganisation. Shiva Nazar Ahari wurde erneut verhaftet am 14. Juni 2009, zwei Tage nach den gefälschten und von vielen und starken Protesten begleiteten iranischen Präsidentschaftswahlen. Grund für ihre Verhaftung waren ihre Menschenrechtsarbeit und ihre studentischen Aktivitäten. Erst am 23. September 2009 kam Shiva gegen Kaution wieder frei. Ebenfalls festgenommen und für 10 Tage eingesperrt wurde kurz nach Shiva’s Verhaftung ihre Anwältin Shadi Sadr; Shadi lebt inzwischen im deutschen Exil.

Am 20.Dezember 2009 wurde Shiva auf dem Weg zur Beerdigung des verstorbenen Ayatollah Montazeri, einer wichtigen Figur im oppositionellen Lager, festgenommen; zusammen mit einigen anderen Menschenrechtsaktivisten und journalisten. Ihr wurde das Anzetteln einer Verschwörung, das Abhalten von illegalen Versammlungen, Propaganda gegen das Regime, Störung der öffentlichen Ordnung sowie Mohareb, Feindschaft zu Gott, vorgeworfen. Auch wurde sie der Unterstützung der Volksmudschahhedin angeklagt, einer oppositionellen Organisation, die auf der Terrorliste der USA steht. Shiva Nazar Ahari bestritt alle Vorwürfe.

Sie wurde am 12. September 2010 nach einer Zahlung von 500.000 Dollar Kaution nach fast einem Jahr Gefängnis aus Evin entlassen.

Eine Woche später wurde sie wegen „staatsfeindlicher Aktivitäten“ in erster Instanz zu sechs Jahren Haft in einem fernab ihrer Heimatstadt gelegenen Gefängnis in Izeh und zu 76 Peitschenhieben verurteilt

Im Berufungsverfahren im Januar 2011 wurde sie freigesprochen von der Anklage der Verschwörung und Propaganda gegen das Regime. Ihr Strafmaß wurde reduziert auf 4 Jahre.

Am 17. April 2011 wurde Shiva Nazar Ahari von der Stadt Esslingen mit dem Theodor-Haecker-Preis geehrt, ein Preis, der vergeben wird an Menschen, die sich durch besonderen politischen Mut und Aufrichtigkeit auszeichnen.

Ein Teil von Shiva’s Freunden, die ebenfalls eigesperrt waren, lebt jetzt in Berlin; sie sind Teil des “Deutschland nimmt 50 Flüchtlinge aus der Grünen Bewegung auf” - Kontingents.

Eine Aktion, an der wir uns - vor allem Dank unserer Starfotografin - seit Frühsommer fortlaufend beteiligen, ist ‚a Face for Freedom in Iran‘

- es ist eine Möglichkeit, Menschen auf der Straße direkt anzusprechen, ihnen einen kurzen Denkanstoß zu geben .. und Fotos kann man, leichter als Videos - auch im Iran sehen - sehen, daß es Unterstützung im Ausland gibt , schaut mal auf unserer Facebookseite oder auf der Homepage.
Euch allen bekannt, weil sie weltweit Aufsehen hervorgerufen hat, ist die drohende Steinigung von Sakineh Ashtiani; Sakineh war angeklagt ihren Mann - zusammen mit ihrem Liebhaber - umgebracht zu haben; auf diese Anschuldigung hat sich das regime festgefahren; es läßt keine Beweisaufnahme zu, das Verfahren ist - auch nach iranischem Recht- unrechtmäßig verlaufen, Sakineh spricht azari, kein farsi,d.h. sie versteht kaum etwas von der Verhandlung; ihr Anwalt war bei der Verhandlung nicht zugelassen . - daß wir gegen die Todesstrafe als solches protestieren, versteht sich von selbst, Steinigung gibt es in dieser Form nur für Frauen - und ist nochmal demütigend und obendrein Folter - muß ich es beschreiben?

Auch wir haben uns, wieder zusammen mit United4Iran-Bayern, mit Infostand, Unterschriftensammlung und Fotoaktion- - am weltweiten Protesttag 10. August 2010 STOP TO STONING - STOP TO EXECUTION beteiligt -

wohl als Ergebnis des internationalen Protestes und der Ächtung in den westlichen Medien wurde die Steinigung aufgehoben, nicht aber das Todesurteil gegen Sakineh. Sakineh’s Anwalt Mohammad Mostafaei ist einer der Menschenrechts- Anwälte wie Shirin Ebadi, Mohammad Oliyaifard, Shadi Sadr, der verfolgt wurde - wohl weil das regime ihn als der Schuldige ausgemacht hatte, der die Steinigung in die westlichen Medien gebracht hat - er wurde zum Verhör vorgeladen, - ist wohlweislich zur zweiten Vorladung nicht erschienen, - daraufhin wurden sofort seine Frau und sein Schwager als Geiseln in Haft genommen .. und erst nach Tagen wieder entlassen, als bekannt wurde, daß Mostafaei nicht mal mehr in der Türkei ist, sondern bereits vom norwegischen Außenminister als prominenter Asylant empfangen wurde.

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Mit Mostafaei's Flucht hatte auch Hengameh Shahidi, die wir zu unserem Gruppenfall gewählt haben, (jede ai Gruppe betreut einen Fall) ihren Anwalt verloren; Hengameh ist Journalistin, lebte in England und ist - wie viele andere hoffnungsvoll - zu den Wahlen 2009 nach Hause gereist um zu helfen, zu beobachten, dabei zu sein; seit Sommer 2009 ist sie - mit zwei kurzen Unterbrechungen - in Haft; vermutlich die große Unterstützungskampagne ihrer englischen Freunde hatte eine Haftunterbrechung bewirkt - , ihre Familie hatte uns gebeten, irgendetwas zu unternehmen, zu helfen, damit Hengameh wenigstens für medizinische Betreuung aus der Haft entlassen wird, ihr Gesundheitszustand ist sehr beunruhigend .. wir haben ihren Anwalt Mostafaei, schon in Norwegen, um Rat gefragt, der daraufhin diesen Bericht veröffentlicht -

ich lese Euch die Übersetzung vor; der Bericht ist lang, ich wollte ihn nicht kürzen, weil jedes Wort zählt

Im Fall von Hengameh Shahidi ist es eindeutig zu unzähligen Menschenrechtsverletzungen gekommen. Diese Menschenrechtsverletzungen gehen täglich weiter.

Detaillierte Informationen über den Fall Hengameh Shahidi

1) Hengameh Shahidi ist Journalistin und war Beraterin für Frauenfragen für Mehdi Karroubi, einen der Präsidentschaftskandidaten der Wahl im Juni 2009. Nach der Wahl und der unerwarteten Rückkehr Ahmadinejads auf den Präsidententhron, inmitten der massiven und von Millionen Iranern getragenen Proteste gab Hengameh dem Fernsehsender BBC Persian ein Interview.

Die Tageszeitung Kayhan, die Herrn Shariatmadari gehört, benutzte dieses Interview als Vorwand für die Verhaftung und Inhaftierung von Frau Hengameh Shahidi durch Geheimdienstagenten unter seinem Kommando.

Es ist uns sehr wohl bekannt, dass es sich bei der Tageszeitung Kayhan um eine einflussreiche Kraft der Geheimdienst- und Sicherheitssysteme handelt. (Es ist bekannt, dass) kurz nach Erscheinen eines gegen jemanden gerichteten Berichts oder Artikels (der/die Verfasser/in oder Herausgeber/in) inhaftiert und willkürlich vor Gericht gestellt wird.

2) Die Verhaftung Hengameh Shahidis erfolgte ohne juristische Anordnung und Haftbefehl. Sie wurde ohne juristische Genehmigung an einem unbekannten Ort festgehalten und verhört.

Von Anfang an beinhalteteten die Verhöre Schläge und Tätlichkeiten gegen sie sowie Beleidigungen und Schmähungen gegen sie und ihre Familie. Hengameh Shahidi, die sich keines Verbrechens schuldig gemacht hatte, wurde unter Druck gesetzt, damit sie (falsche) Geständnisse gegen Herrn Karroubi und seine Freunde ablegt, um diese zu demütigen. Diese mutige und standhafte Frau erduldete jede Folter, ohne diese Geständnisse abzulegen. Ihr Widerstand führte dazu, dass der Druck auf sie erhöht wurde. Sie wurde wochen- und monatelang in Einzelhaft gesperrt. Noch immer leidet diese Frau unter ihrer Krankheit und dem emotionalen und psychologischen Druck.

3) Hengameh Shahidi wurde täglich mehrere Stunden lang von männlichen Agenten des Geheimdienstministeriums verhört. Während der intensiven Verhöre blieben ihre Augen verbunden. Die Befrager scheuten sich nicht, sie zu schlagen. Um die Zeichen der Folter auf ihrem Körper und das ihr zugemutete Unrecht und die Unterdrückung geheim zu halten, wurden Familienbesuche untersagt. Als ihr Anwalt war ich mehrfach mit einer juristischen Anordnung im Evin-Gefängnis, um sie zu besuchen, aber man ließ mich nicht einmal ins Gefängnis hinein.

Eine der Foltermethoden, mit denen man Hengameh Shahidi Geständnisse abzunötigen versuchte, war ein nachgestellter Gerichtsprozess (den sie damals für echt hielt). In diesem Spottprozess wurde sie zum Tode verurteilt, und Hengameh wurde zu einer Scheinhinrichtung zum Galgen geführt.

Wie kann man diesen Pseudo-Prozess, die Scheinhinrichtung und die anderen grausamen Folterungen ignorieren, mit denen sie dazu gezwungen werden sollte, im Fernsehen falsche Geständnisse abzulegen und in Schauprozessen aufzutreten?

Ein weiterer Punkt, der die Menschenrechtsgesandten interessieren dürfte, ist, dass Hengameh Beruhigungs- und Schmerzmittel verabreicht bekam, um sie in einen Zustand zu versetzen, der das Ablegen von Geständnissen begünstigt. Die Befrager des Geheimdienstministeriums drangen in private und persönliche Bereiche ihres Lebens ein, um Geständnisse über ungesetzliche Beziehungen zu verschiedenen Männern zu erhalten. Ihr Ziel war es, Verbündete von Moussavi und Karroubi in die Knie zu zwingen. Selbst den Namen des ehemaligen iranischen Präsidenten Mohammad Khatami brachten sie ins Spiel und forderten von ihr, eine Beziehung zu ihm zu gestehen.

Das Ausmaß an Vulgarität und Verwerflichkeit der Befrager machte Hengameh oft fassungs- und buchstäblich sprachlos. Diese reine Frau war der Gnade unbarmherziger Befrager ausgeliefert, die bereit waren, jedes Verbrechen zu begehen, um der Wahl von 2009 und der Präsidentschaft Mahmoud Ahmadinejads zur Legitimität zu verhelfen.

4) Es verging kein Tag, an dem Hengameh Shahidis Mutter sich nicht im Büro der Staatsanwaltschaft und dem Revolutionsgericht einfand. Stundenlang wartete sie vor den Toren von Evin, um ihre Tochter besuchen zu können. Zum ersten Mal traf ich sie im Büro der Teheraner Staatsanwaltschaft. Sie weinte und schluchzte. Hilflos wartete sie darauf, zum Teheraner Generalstaatsanwalt vorgelassen zu werden, um ihn anzuflehen, dass er ihr ein Telefonat mit ihrer Tochter gestattet. Nachdem ich diese niedergeschlagene und traurige Mutter gesehen hatte, beschloss ich, die Verteidigung Hengameh Shahidis zu übernehmen.

5) Es vergingen Monate, bevor ich Hengameh Shahidi besuchen und ihr die Dokumente zur Unterschrift vorlegen konnte, die mich offiziell zu ihrem Anwalt machten. Ich konnte nach langer Zeit ihre Akte einsehen. Von der ersten Seite an wurde das Unrecht und die Repression deutlich, der sie ausgesetzt war. Ich bekam eine Gänsehaut, als ich ihre Akte las, manchmal brach ich in Tränen aus. Ich fragte mich, wie jemand so abscheulich und verdorben sein kann, einen anderen Menschen zu schikanieren, misshandeln und ihm zu schaden. Die Fragen, die die Verhörbeamten gestellt hatten, waren absolut persönlich und hatten mit Hengameh Shahidis Anklagepunkten nichts zu tun. Mit diesen Fragen sollte die Persönlichkeit dieser selbstlosen und loyalen Frau zerstört werden. In dem, was sie geschrieben hatte, konnte ich das Zittern ihrer Hände erkennen, und auf manchen Seiten waren noch die Spuren ihrer getrockneten Tränen sichtbar.

Die Verhördokumente enthalten noch ihr Flehen und ihre Appelle. Sie bettelte: „Lassen Sie mich bitte in Ruhe, ich habe keine Kraft für die Verhöre. Ich habe eine Tochter, haben Sie Erbarmen mit ihr. Bitte, lassen Sie mich frei.“ Die unwürdigen und verderbten Personen, die sie verhörten, schenkten ihrem inständigen Bitten kein Gehör.

6) Zum ersten Mal traf ich Hengameh Shahidi am ersten Tag ihres Prozesses. Sie konnte nicht gehen, war sehr blass und nicht in der Lage zu sprechen. Dem Richter blieb nichts anderes übrig, als die Ambulanz zu rufen. Ein paar Ärzte und Schwestern kamen zum Gericht und brachten sie wieder etwas auf die Beine. Der Richter wollte, dass Hengameh Shahidis körperlicher Zustand – ein Ergebnis des Essens- und Wasserentzuges, mit dem die Befrager sie folterten – sich bessert.

Nach langer Haft wurde Hengameh Shahidi gegen eine Kaution von 100.000 Dollar freigelassen. Ihre Mutter hinterlegte die Urkunde ihrer einzigen Wohnung als Sicherheit, und der Richter akzeptierte sie. Kurze Zeit später fand ihr Schauprozess statt, und sie wurde zu sechs Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt.

7) Nachdem Berufung eingelegt worden war, ging der Fall an Abteilung 54 des Berufungsgerichts. Eines Tages wurde Hengameh von einem Befrager des Geheimdienstministeriums kontaktiert, der von ihr verlangte, dass sie ein schriftliches Statement zugunsten Herrn Ahmadinejads abgibt. Hengameh verweigerte dies, woraufhin der Befrager drohte, am nächsten Tag wiederzukommen. Sie wurde vom Geheimdienstministerium vorgeladen, um Erklärungen abzugeben. Beim Eintreffen im Ministerium wurde Hengameh verhaftet. Seitdem ist sie in Haft. Am selben Tag erging das Urteil des Berufungsgerichts – etwas, das in Standardgerichtsverfahren nicht vorkommt, es sei denn, der Richter wurde bestochen oder die Anklage ist politischer Natur.

Jetzt soll Hengameh Shahidi für eine vorübergehende Freilassung eine Kaution in Höhe von 600.000 Dollar hinterlegen. Wenn jemand 12 Menschen tötet oder einen Menschen um 600.000 Dollar betrügt, wäre eine Kaution in dieser Höhe nachvollziehbar, nicht aber, wenn ein Urteil gefällt wurde und die Kaution einer vorübergehenden Freilassung dient.

In der Vergangenheit kam es oft vor, dass Menschen zu zehn oder zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt und dann gegen 100.000 Dollar vorübergehend freigelassen wurden.

Die Verhörbeamten, Experten, Amtsrichter, Staatsanwälte, Richter, der Justizchef und andere Machthaber müssen wissen, dass das Rad des Schicksals sich nicht immer zu ihren Gunsten drehen wird. So wie Richter wie Mortazavi, Haddad und Heydari oder Regierungsbeamte wie Kordan in Ungnade fielen, werden auch sie in naher Zukunft in Ungnade fallen, wenn sie mit ihren Verbrechen und illegalen Aktionen nicht aufhören.

Was ich hier geschrieben habe, ist nichts als die Wahrheit. Menschenrechtsreporter können die Vorgehensweisen und das Verhalten der Behörden der Islamischen Republik ohne weiteres in Erfahrung bringen, wenn sie die Fälle und die Verteidigungen durchgehen, die ich den Gerichten vorgelegt habe.

Mohammad Mostafaei
Anwalt von Hengameh Shahidi

September 2010

sources http://www.modafe.com/NewsDetail.aspx?Id=454

http://persian2english.com/?p=14611

http://englishtogerman.wordpress.com/2010/09/22/mohammad-mostafaei-enthu...

http://www.facebook.com/note.php?note_id=143944558975483

Hengameh bekam im Oktober 2010 nochmal für kurze Zeit zur medizinischen Behandlung Hafturlaub, ist wieder in Evin eingesperrt.

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Auch wenn die Adressaten nicht anwesend sind, möchte ich mich bei allen Übersetzern bedanken, bei Persian2English, English2German, Maryam, Julia, Banoo, Jaleh, SiavOsh, Mazdak, Nazanin, Negar - es ist für uns Europäer so unendlich wichtig, persische Texte direkt übersetzt zu bekommen um Berichte lesen zu können, zu erfahren, WAS da genau steht, immer wieder machen sie sich an die Arbeit, damit die Nachrichten aus dem Iran uns erreichen können ..

Unsere Aktionen sind vielfältig, wie die Mitglieder der Gruppe auch: im Juli / August 2010 hat uns ein Hilferuf aus Griechenland erreicht von einer Gruppe von Iranischen Flüchtlingen, die in Griechenland aus Verzweiflung über Wochen im Hungerstreik waren. sie hatten sich, teilweise über Jahre, vergeblich um Asyl bemüht; ihre Anträge wurden nicht mal angenommen oder bearbeitet; sie haben genau vor dem Gebäude der UNHCR campiert, in direkter Nachbarschaft zur Iranischen Botschaft, was sie erhöhter Gefahr ausgesetzt hattte .. wir hatten einen Infostand für sie und haben Unterschriften gesammelt, haben die Griechischen Botschaften und die UNHCR – kontaktiert,

Die Videos ihres Hungerstreiks auf youtube hochgeladen, mit den Flüchtlingen telefoniert, sie mit einer NGO-Delegation, die gerade griechische Flüchtlingslager besucht hat, ‚verbandelt‘ die ihnen zu rechtlicher Unterstützung verholfen hat ..

http://www.facebook.com/note.php?note_id=425747823694

ob all das bewirkt hat, daß sie letzlich nach 34 Tagen Hungerstreik doch endlich ihren politischen asylstatus erhalten haben, weiß ich natürlich nicht, aber sie haben ihn bekommen http://www.facebook.com/note.php?note_id=432248858694

- ganz besonders freut mich daran, daß Yanni, der die Videos geschickt hatte, sich gelegentlich meldet und jetzt in den Niederlanden lebt – das jüngste Foto zeigt ihn mit seiner holländischen Freundin..

- es waren viele sehr lange Nächte, in denen wir uns von Unwissenden zu ziemlich gut informierten Spezialisten in Europäischem Flüchtlingsrecht gewandelt haben – diese Wissen brauchen wir leider immer wieder - so wächst es auch weiter- , weil die Zahl der flüchtlinge aus dem Iran ständig wächst.

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Mein Mann ist Arzt – vielleicht deshalb geht mir das Schicksal von zwei Ärzten so nah, wir hatten die Gelegenheit sie bei den Münchner Aidstagen im März 2011 ihren Kollegen nahe zu bringen

dadurch wurden sie der Deutschen Aidshilfe bekannt: http://blog.aidshilfe.de/2011/04/11/iran-willkur-gegen-international-ane...

Ich möchte sie Euch auch nahe bringen – muß es Euch vorlesen:

Die Ärzte und AIDS-Experten kurdischer Abstammung Dr. Kamiar und Dr. Arash Alaei wurden im. Juni 2008 in Teheran verhaftet. Danach wurden die Brüder sechs Monate lang ohne Anklage im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis gefangen gehalten. In der nach sechs Monaten Haft erhobenen Anklage beschuldigte man sie der Kooperation mit einem feindlichen Staat ? den USA ? gegen die Islamische Republik. Außerdem hätten sie gegen die nationale Sicherheit gehandelt und die Regierung stürzen wollen. Die beiden hatten unter anderem an AIDS-Konferenzen in den USA teilgenommen.

Im Iran hatte sich die Diskussion um Drogen und AIDS seit 1990 geöffnet, die Drogenpolitik war unter Präsident Khatami offener und säkularer geworden. Unter der Regierung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat sich diese Entwicklung seit 2005 wieder umgekehrt. darin liegt wohl der Grund für die Verhaftung der Brüder Alaei, die politisch nicht aktiv waren. Dr. Arash Alaei wurde zu sechs Jahren Haft, Dr. Kamiar Alaei zu drei Jahren Haft verurteilt, die sie im Evin-Gefängnis verbüßen müssen.

Zu den Personen

Die Brüder Alaei sind im Iran bekannte Ärzte und AIDS/HIV-Experten. Aufgewachsen sind sie in der westiranischen Millionenstadt Kermānshāh. Ihre Familie ist kurdischer Abstammung. Kamiar und Arash Alaei haben beide einen Abschluss an der Medizinischen Universität Esfahan erlangt.

Dr. Kamiar Alaei wurde 1974 in Teheran geboren. Bei seiner Verhaftung stand er kurz vor dem Abschluss einer weiteren Promotion an der Albany School of Public Health der State University of New York (SUNY). Er hatte vor, seine Studien im September 2008 zu beenden. Kamiar Alaei hat in Harvard im Bereich "International Health" promoviert. Er war Geschäftsführer einer iranischen Nichtregierungsorganisation, deren Ziel die Prävention und Behandlung von HIV und HIV-positiv getesteter Personen ist. Er wurde mit der Mitgliedschaft in einer amerikanischen NGO geehert, deren Ziel es ist, die Beziehungen zwischen asiatischen Staaten und den USA zu verbessern

Dr. Arash Alaei wurde 1969 auch in Teheran geboren. Er ist der ehemalige Direktor der Internationalen Ausbildungs- und Forschungsgesellschaft des Iranischen Forschungsinstituts für Tuberkulose und Lungenkrankheiten. Beide sind oder waren politisch nicht aktiv.

Aktivitäten

Seit Mitte der 1990er Jahre sind die Brüder Alaei im Iran im Bereich der Prävention und Behandlung von AIDS und HIV tätig. Bekannt wurden sie für ihr Konzept der sogenannten „Dreieckskliniken“. Die Brüder waren außerdem maßgeblich daran beteiligt, dass der Iran im Feld der AIDS/HIV-Prävention und Behandlung im Nahen und Mittleren Osten eine führende Rolle eingenommen hat. Das von ihnen mitentwickelte AIDS/HIV-Gefängnisprogramm ist eines der besten in der Region. Vom Stellvertreter des ehemaligen iranischen Präsidenten Khatami und dem ehemaligen iranischen Justizchef und Gesundheitsminister erhielten sie verschiedene Auszeichnungen für ihre Arbeit.

Die von den Alaeis gegründeten sogenannten Dreieckskliniken gibt es im Iran seit 1998, als noch Mohammad Khatami iranischer Präsident war. Das Konzept dieser Kliniken zeichnet sich dadurch aus, dass AIDS, sexuell übertragbare Krankheiten und Drogensucht unter einem Dach betreut und behandelt werden. Auf die Idee kamen die Brüder Alaei, als sie 1996 in Kermānshāh durch Untersuchungen entdeckten, dass im Gefängnis der Stadt die Zahl der HIV-Infizierten sehr hoch war. Ihre Idee in Kermānshāh eine AIDS-Klinik zu eröffnen, scheiterte trotz anfänglicher Erfolgsaussichten am Wahlkampf. Damals war Mohammad Khatami Herausforderer des iranischen Präsidenten Rafsanjani. Zwei Jahre später kehrten die beiden Brüder jedoch mit der Idee der Dreieckskliniken zurück in die Stadt. Nachdem ihr erster Versuch 1996 noch gescheitert war, profitierten sie 1998 von der liberaleren Politik Khatamis und konnten erfolgreich ihr erstes Behandlungszentrum eröffnen.. Inzwischen gibt es im Iran 40 Dreieckskliniken und 25 weitere in Gefängnissen. 2004 waren sie sogar im 5-Jahres-Plan der Regierung vorgesehen.

Darüber hinaus veranstalteten die Brüder auch Trainingskurse für afghanische und tadschikische Mediziner und versuchten, ihre Konzepte durch regionale Kooperation in zwölf andere Länder des Nahen und Mittleren Ostens sowie Zentralasiens zu verbreiten.

Verhaftung und Verurteilung

Dr. Arash Alaei wurde am 26. Juni 2008 verhaftet. am nächsten Morgen brachten Sicherheitskräfte ihn zum Haus seiner Mutter, wo sie seinen Bruder Kamiar verhafteten und Dokumente sicherstellten. Zwei Monate lang gab es keinen Hinweis auf ihren Aufenthaltsort. Sie wurden beide in das Evin-Gefängnis in Teheran gebracht, wo sie sechs Monate lang auf eine Anklage warten mussten. Hintergrund der Verhaftungen ist eine Änderung der iranischen Drogenpolitik.

Der Prozess im Dez 2998 entsprach nicht internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren. U.a. hatte man den Angeklagten nicht alle Beweismaterialien offengelegt und ihre Verteidigung hatte nicht das Recht, Zeugen in den Zeugenstand zu rufen und diese zu befragen. Außerdem waren die Brüder zum Zeitpunkt des Prozesses fünf Monate länger in Haft, als in der iranischen Strafprozessordnung vorgesehen.

*Artikel 33 der Strafprozessordnung schreibt vor, dass Fälle innerhalb eines Haftmonats abgeschlossen sein müssen. Verlängerungen dieser Frist können angeordnet werden, jedoch ist im Fall Alaei weder klar, ob diese Anordnungen dokumentiert wurden, noch ob die Brüder die Möglichkeit hatten, diese Anordnungen anzufechten. Die Anklageschrift zitiert Artikel 508 des iranischen Strafgesetzes, demzufolge jeder, der mit feindlichen Staaten gegen die Islamische Republik kooperiert, zu Haftstrafen zwischen einem und zehn Jahren zu verurteilen ist, sofern er nicht der „Feindschaft gegen Gott“ (Moharebe) angeklagt ist, die im Iran mit dem Tod bestraft werden kann. „Feindschaft gegen Gott“ war im Fall der Brüder Alaei jedoch nicht Teil der Anklage.

Vom Anwalt der beiden, Masoud Shafei, wurde nachgewiesen, dass die USA nach der üblichen Rechtssprechung im Iran kein feindlicher Staat im Sinne der Anklage sind. Es wurden Präzedenzfälle aus mehreren Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes angeführt, bei denen die USA nicht als feindlicher Staat angesehen wurden. Wegen des achtjährigen sogenannten ?Ersten Golfkriegs? von 1980 bis 1988 galt lange Zeit der Irak als feindlicher Staat. Heute ist mit dem Begriff ?feindlicher Staat? in der Regel Israel gemeint.

Zudem heißt es in Artikel 508 des iranischen Strafgesetzes, dass verurteilt wird, wer mit einer feindlichen Regierung gegen die Islamische Republik arbeitet. Nach Auskunft ihres Anwalts, haben die Brüder Alaei jedoch in keiner Weise mit der amerikanischen Regierung zusammengearbeitet, sondern lediglich mit einigen wissenschaftlichen Stiftungen und Institutionen.

Die beiden Ärzte sind am 19. Januar 2009 darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass sie wegen der "Zusammenarbeit mit feindlichen Regierungen" verurteilt wurden. Arash Alaei wurde zu sechs Jahren, Kamiar Alaei zu drei Jahren Haft .

Haftbedingungen
Im berüchtigten Evin-Gefängnis im Nordwesten Teherans wurden schon vor der Islamischen Revolution 1979 während der Shah-Zeit politische Gefangene inhaftiert. Es ist bekannt für seine unmenschlichen Haftbedingungen. Laut Augenzeugenberichten ist die Erniedrigung, Demütigung und Folter der Gefangenen an der Tagesordnung. Es gibt Informationen, dass beide einige Zeit in Einzelhaft verbringen mussten. Beiden ist es erlaubt Besuch von ihrer Familie zu bekommen. sie berichten über Einschränkungen im Gefängnis, konnten diese aber nicht genauer benennen, um ihre derzeitigen Haftbedingungen nicht zu verschlechtern.

AIDS- und Drogenpolitik im Iran

Die Drogenpolitik und später auch die AIDS-Politik im Iran hat sich in den letzten 100 Jahren stetig gewandelt. Iran eines der wichtigsten Transitländer für Drogenschmuggel weltweit ist, somit ist auch das Drogenproblem im Land sehr groß. Das Land hat prozentual eine der höchsten Raten an Drogenkonsumenten weltweit. Nach Angaben der Vereinten Nationen von 2009 beträgt der Anteil an Konsumenten von Drogen zwischen 1,7 und 2,8% an der Gesamtbevölkerung. Nach Angaben des Teheraner Polizeichefs Hossein Sajedinia im Juli 2010 sollen in Teheran sogar etwa 5% der Bevölkerung drogenabhängig sein.

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war Opiumkonsum im Iran weit verbreitet und akzeptiert. Im Jahr 1949 konsumierten geschätzte 11% der iranischen Bevölkerung Opiate. Erst 1966 verbot die Regierung Drogenanbau und -konsum. Drogenabhängige wurden stark kriminalisiert, Delikte unter hohe Strafen gestellt. Bis die Drogenpolitik im Iran sich Ende der 1970er zaghaft liberalisierte, war der Fokus noch auf Entgiftung statt auf nachhaltige Behandlung gerichtet.

Nach der Islamischen Revolution 1979 wandelte sich die iranische Drogenpolitik wieder. Behandlungszentren und -einrichtungen wurden geschlossen und Drogenkonsumenten rigoros durch Sondereinheiten verfolgt und nicht selten mit dem Tod bestraft. Nach der Machtübernahme Ayatollah Khomeinis, wurde die Bekämpfung des Drogentransits nicht mehr adäquat weitergeführt. Der Drogentransit durch den Iran nahm wieder erheblich zu.

Das erste Mal mit dem HIV-Problem wurde die iranische Regierung 1989 konfrontiert, als sie 200.000 Drogenkonsumenten in Arbeitslager schickte. Unter den Gefangenen breitete sich HIV sehr schnell aus und die Arbeitslager wurden wieder aufgelöst. Durch den immer größer werdenden Anteil von Heroin auf dem Drogenmarkt, das intravenös verabreicht wird, stieg die HIV-Infektionsrate stark an.

Ab 1990 wurden erneut Veränderungen in der Drogenpolitik sichtbar. Es wuchs die Einsicht, dass Sucht eine Krankheit ist und dass nachhaltige Behandlungen den Drogenkonsum und den Drogenverkehr im Iran senken könnten. Es wurden wieder Behandlungszentren für Drogensüchtige eröffnet. Ab 1997 suchten iranische Ärzte und Institutionen die internationale Zusammenarbeit, u.a. mit gemeinnützigen Organisationen in den USA. 1998 wurde von staatlicher Seite in Zusammenarbeit mit dem United Nations Office of Drug and Crime ein Situationsbericht zum Drogenmissbrauch veröffentlicht. Inzwischen gibt es im Iran auch NGO‘S, die sich um Drogenkonsumenten kümmern .

Eines der größten Probleme im Iran bleiben die Gefängnisse, in denen die Zahl der Drogenabhängigen und damit auch die Zahl der HIV-Infizierten sehr hoch ist. Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal und das Risiko, sich mit HIV zu infizieren ist erschreckend hoch, da Drogenkonsumenten nach iranischen Angaben ca. 70% der Gefangenen ausmachen. Im Durchschnitt sollen von den Drogenkonsumenten in iranischen Gefängnissen 63% HIV-positiv sein. Eines der Ziele der Brüder Alaei ist unter anderem, diese Situation mit ihrem Gefängnisprogramm zu verbessern. Erst 2003 wurde in Gefängnissen damit begonnen, Präventionsmaßnahmen durchzuführen.

Hatte sich die Diskussion im Iran gegenüber Drogen und AIDS seit 1990 wieder geöffnet und war die Drogenpolitik seitdem offener und säkularer geworden, so hat sich diese Entwicklung unter der Regierung von Mahmud Ahmadinedschad seit 2005 wieder umgekehrt.

soweit dieser Bericht.

Mit großem Dank an die IGFM http://www.igfm.de/Iranische-AErzte-Dr-Kamiar-und-Dr-Arash-Alaei.1465.0.... – hoffentlich ist Euch nachvollziehbar geworden, warum in meinen Augen diese beiden Ärzte unbedingt arbeiten müssen, statt eingesprerrt zu sein

http://www.facebook.com/note.php?note_id=412452233694

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Seit September 2010 begleiten wir, mit zunehmender Sorge

Nasrin Sotoudeh

Nasrin Sotoudeh hat als Anwältin vornehmlich Frauen, politische Gefangene und wegen Mordes zum Tode verurteilte Minderjährige vertreten. Vor ihrer Laufbahn als Anwältin war Nasrin Sotoudeh als Journalistin für eine Menschenrechtszeitung tätig und berichtete über Verstöße gegen Menschen-, Frauen- und Kinderrechte.

Nasrin Sotoudeh wurde am 4. September 2010 verhafet und zu 11 Jahren Gefängnis und einem 20jährigen Berufsverbot als Anwältin verurteilt. Zur Zeit verbüßt sie ihre Haftstrafe im Evin-Gefängnis und ist aus Protest gegen die Haftbedingungen und das inakzeptable Verhalten der Gefängnisbeamten mehrmals in den Hungerstreik getreten. Vor Kurzem wurde sie vom Revolutionsgericht wegen „Nichteinhaltung der islamischen Kleidervorschriften“ zu einer zusätzlichen Geldstrafe von 50 Dollar verurteilt.

Sotoudehs Ehemann Reza Khandan hatte erst kürzlich berichtet, dass seine Frau im Gefängnis 14 kg abgenommen habe . Sie wiege nur noch 44 kg. Trotz ihrer Sehstörungen hätten die Beamten ihr keinen Besuch beim Augenarzt gestattet. - 30. April wurde die inhaftierte Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotoudeh aus Abteilung 209 des Evin-Gefängnisses in den „Methadon-Trakt“* verlegt, wo zur Zeit auch die anderen weiblichen politischen Gefangenen untergebracht sind.

* Der Methadon-Trakt ist eine abgeschlossene Halle von höchstens 30×35 m Grundfläche. Eigentlich werden dort gefährliche Kriminelle und Drogenabhängige untergebracht. Die dort inhaftierten Gefangenen dürfen nur ein Mal pro Tag für weniger als 1 Stunde an die frische Luft. Sie haben keinen Zutritt zur Gefängnisbücherei und dürfen nicht telefonieren. Besuch ist für sie nur in der Besucherkabine möglich.

Ein paar Namen muß ich Euch doch mitgeben:

der Student Majid Tavakoli, der direkt nach seiner Rede zum Studententag verhaftet, gefoltert und zur Demütigung in Frauenkleidern fotografiert wurde

der kurdische Todeskandidat Shirko Moarefi,

unser jugendlicher Todeskandidat Reza Haddadi – er ist uns verloren gegangen, ein Jugendlicher, der hingerichtet werden sollte, mehrmals in der todeszelle saß, - und dann gab es nach mehreren Briefaktionen keine Quelle mehr, die uns bestätigen konnte, ob er noch lebt, was aus ihm geworden ist; der Anwalt verstummt, die Familie verstummt, die Mitgefangenen schweigen .. die verläßlichen Quellen ohne aktuelle Information ..

Navid Khanjani, ein Mitglied des CHRR – wie Shiva Nazar Ahari

http://prisoners.rahana.org/

http://www.rahana.org/prisoners-en/

Poetin Hila Sedighi, die gestern [am Samstag 30.04.2011] gegen Kaution der Verhaftung entronnen ist –

Was können wir groß ausrichten gegen ein Regime, das seine eigenen Gesetze und Verfassung nicht achtet, das internationale Vereinbarungen nicht einhält, das seine eigene Bevölkerung willkürlich drangsaliert, verfolgt, bedroht, abhört, überwacht, verhaftet, foltert, tötet?

Unter der Menschrechtsakivisten gibt es immer wieder die Diskussion, ob wir mit unserem ‚spotlight‘, mit der Öffentlichkeit nicht erst recht den jeweiligen Gefangenen erhöhtem Risiko für noch mehr Druck aussetzen.

Wir können uns darüber nie sicher sein, daß dem nicht so ist, ABER: alle Gefangenen sagen übereinstimmend immer, das Schlimmste – auch an der Einzelhaft - ist die Angst VERGESSEN ZU SEIN - und damit haben wir unsere Antwort –.

Wir, unsere Gruppe, bräuchte dringend Unterstützung – wir sind anspruchsvoll, wir erwarten Herzblut, untereinander sind wir zu wirklichen Freunden zusammengewachsen – diese Freundschaften, die Freude über andere, die mitmachen, sind die Lichtblicke, und meine Energiequelle für unsere großteils traurige Arbeit.

Ich bedanke mich bei Euch, meinen Lichtblicken, für Eure Energie, und ich danke meiner Familie, die ‚meinen‘ Iran nicht nur erträgt, sondern unterstützt.

***

ZUGABE

wenn es Euch noch nicht reicht, ein - mir wichtiger - Bericht über iranische Gefängnisse habe ich Euch noch mitgebracht

von RAHANA wurde ein Bericht aus einem Gefängnis veröffentlicht, der ich Euch nicht ersparen kann, weil er stellvertretend für alle iranischen Gefängnisse steht: ich lese ihn Euch vor:

RAHANA. Der seit 2001 inhaftierte Saeed Masouri hat in einem bewegenden Brief die erschütternden Zustände im Gefängnis Rajai Shahr beschrieben. Dr. Saeed Masouri war im Dezember 2000 in der Stadt Dezful verhaftet worden und wird gegenwärtig inm Gefängis Rajai Shahr in der Stadt Karaj festgehalten. Sein erster Prozess und der Berufungsprozess führten zunächst zu seiner Verurteilung zum Tode. Von den 10 Jahren, die er inhaftiert ist, verbrachte er 3 Jahre in Einzelhaft in Gefängnissen in Teheran und Dezful. Nach umfangreichen Anstrengungen [konnte erreicht werden, dass] sein Todesurteil in lebenslange Haft umgewandelt wurde.

Berichten von RAHANA zufolge wurde Masouri in den letzten 10 Jahren kein einziger Hafturlaub gewährt. Bei seiner ersten Verhaftung und Einzelhaft wurde er körperlich und psychisch exzessiv gefoltert. Masouri wurde vor einigen Jahren in das Gefängnis Rajai Shahr verlegt, dass bekannt für die dort herrschenden unmenschlichen Zustände ist. In einem Brief, den er im Gefängnis verfasste und der Nachrichtenagentur RAHANA – „Human Rights House of Iran“ – zur Verfügung stellte, beschreibt Masouri die unmenschlichen Zustände im Gefängnis. Der Inhalt seines Briefes lautet wie folgt:

Das Leben außerhalb des Gefängnisses geht weiter wie immer, und es ist schwer, sich vorzustellen, welche Hölle und welche menschlichen Tragödien sich wenige Meter weiter hinter den Gefängnismauern abspielen, an denen man täglich achtlos vorbeigeht. Ähnlich muss es für die Menschen gewesen sein, die im Umkreis der Lager Auschwitz und Dachau lebten und die vielleicht keine Ahnung davon hatten, was innerhalb der Mauern dieser berüchtigten Lager vor sich ging.

Ich möchte ein Bild vom Gefängnis Rajai Shahr zeichnen, dass in den Augen der Bürger von Karaj wohl groß erscheinen mag, das aber in Wirklichkeit sehr klein und sehr überfüllt ist. Es ist eine andere Welt, sie ähnelt den Darstellungen der Hölle in Filmen, voller Feuer und Rauch. Eine Welt voller verbrannter, schwarzer, verstörter Gesichter, voller nackter, schweißbedeckter Körper, rot von den Bissen der Läuse. Eine Welt voller zerrissener Hosen, deren Fetzen als Gürtel benutzt werden, voller schmutziger nackter Füße und Kleidern, die mit der Innenseite nach außen getragen werden und mit Läusen bedeckt sind, voller zerrissener und schlecht sitzender Pantoffeln. Eine Welt, in der man vergifteter Luft, dem extremen Gestank verfaulenden Mülls, überlaufenden Toiletten, dem giftigen Hauch des getrockneten Erbrochenen, infektiösem Schleim und dem Geruch von Körpern ausgesetzt ist, die fast nie baden können. Dies alles wird gekrönt vom Gestank des Urins derer, die ihre Blase nicht kontrollieren können.

All dies vor dem Hintergrund des markerschütternden Lärms und der Schreie der Gefangenen, die ihren gesamten Tag in Warteschlangen zu verbringen scheinen. Gefangene mit Plastikflaschen, die schwarz angelaufen sind und als Teetassen dienen, stehen Schlange, in vielen, langen, dichtgedrängten Schlangen warten sie darauf, die Toilette benutzen zu können, zu duschen etc.

Gesichter, ausgezehrt durch Unterernährung, sind hinter dichten Bärten und zerzaustem Haar verborgen, herzzerreißendes Husten – eine Folge von Lungenkrankheiten, die durch die kontaminierte Luft im Inneren des Gefängnisses entstehen -, nicht wiederzuerkennende Körper, die an verhungernde Kinder in Afrika erinnern, Massen von Gefangenen in den Fluren, die aussehen, als seien sie tot, gelähmt von der Hitze, mit seelenlosen Augen, die an Wände und Decken starren, nackte Körper, die in den Säumen ihrer Kleider nach Läusen suchen, Körper, die andere Körper im Vorbeigehen streifen, nur allzusehr gewöhnt an das Bild, das sich um sie herum bietet.

Andere Gefangene, die sich wegen der vielen Menschen nicht vom Fleck bewegen können, stehen paarweise oder allein, beobachten andere, spielen an den Narben an Hals und Handgelenken herum, die von selbst zugefügten Verletzungen stammen. Viele haben ein kleines Handtuch oder ein Stück Stoff bei sich, um sich alle paar Minuten den Schweiß abzuwischen, der sich auf Kopf und Gesicht sammelt, das aber auch als Atemschutz gegen den beißenden Geruch der kontaminierten Luft dient.
Hinzu kommen noch der Tumult und der ohrenbetäubende Lärm der Lautsprecher (der Gefängniswärter), aus denen vulgäre Beleidigungen dröhnen, Stille befohlen wird und Kommandos zur Beachtung der Toiletten- und Waschraumregeln etc. erschallen. Das Ausmaß dieser Zustände versteht man erst, wenn man sich klar macht, dass sich an diesem Ort, der für die Aufnahme von maximal 90 Menschen konzipiert ist, mehr als 1100 Gefangene aufhalten. Es gibt je einen Waschraum für 250 Gefangene. Es gibt je ein Stück Seife oder flüssige Seife für 500 Gefangene, je eine Toilette (oft verstopft und überfließend) für 170 Gefangene. Jeweils 5 Gefangene haben 5 m² zur Verfügung, weshalb die Gefangenen gezwungen sind, den Raum in Fluren und Treppenaufgängen zu belegen. Je 5 – 8 Gefangene teilen sich eine Decke. Gefangene, die gezwungen werden, ihre Zelle von 19 Uhr abend bis 7 Uhr morgens zu verlassen, stehen draußen, weil es drinnen nicht genug Platz gibt. Selbst draußen findet man selten einen Platz, an dem man stehen kann. Essen wird oft für viele Gefangene auf einem Stück Zeitungspapier serviert, und die einzige Möglichkeit, es zu essen, besteht darin, sich draußen einen Platz zum Sitzen zu suchen. Dieser Zustand ist sogar für die Wachen offensichtlich, die nicht die ermüdende Pflicht haben, diese Massen von Gefangenen zu zählen und den Überblick zu behalten, die aber ebenfalls allen Arten von Krankheiten ausgesetzt sind.

Erstaunlicherweise ist vom frühen Morgen bis zum Einbruch der Nacht der Fernseher zu hören, wo über menschliche Würde, Menschenrechte und unser Umgang mit der Welt gesprochen, aber kein Wort über die Geschehnisse hinter diesen Gefängnismauern verloren wird. Offenbar sind Dinge wie das Gesundheitswesen, Waschräume und Toiletten so eng mit der Sicherheits unseres Landes verknüpft, dass es als Verbrechen gegen die nationale Sicherheit angesehen wird, wenn man darüber spricht.

Zum Beispiel Reza Jooshan, 22 Jahre alt. Er wurde in Einzelhaft verlegt, weil er die Tollkühnheit besaß, sich über die Zustände zu beschweren. Zwar überraschte seine Verlegung in Einzelhaft mich nicht, aber die Zustände in Rajai Shahr und anderen Gefängnissen sind so schlimm, dass sie nicht dadurch gelöst werden können, dass man Menschen in Einzelhaft nimmt. Kein Wunder, dass es für viele Gefangene in Irans berüchtigten Gefängnissen als ein unerreichbarer Traum erscheint, an Orte wie Guantanamo oder Abu Ghraib zu kommen. Die Hinrichtung wird zur einzigen greifbaren Hoffnung, um dieser unerträglichen menschlichen Tragödie zu entkommen.

Saeed Masouri
Gefängnis Rajai Shahr
Juli 2010

uns bekannte Gefangene, die in diesem Gefängnis sitzen oder saßen,

der Gewerkschaftsführer Mansour Osanloo

der seit 10 Jahren inhaftierte Student Behrouz Javid Tehrani

der an MS leidende Hamed Rouhinejad

der Journalist Issa Saharkhiz

der Journalist Emad Bahavar

der Journalist Ahmad Zeidabadi

der Blogger und Aktivist Behzad Mehrani

der Schriftsteller und politische Aktivist Arzhang Davoodi

die Vizepräsidentin einer Studentenorganisation, Shabnam Madadzadeh

…und viele, viele, viele andere.

source: http://englishtogerman.wordpress.com/2010/07/29/ein-bericht-aus-dem-gefa...

via http://negar-irani.posterous.com/24433459

via RAHANA: http://www.rhairan.us/archives/21043

Baha’i in Iran: http://www.rahana.org/en/?cat=15

http://www.rahana.org/en/?p=1401