Solidarität mit Jafar Panahi und Mohammad Rasoulof: Ihr einziges Verbrechen ist Filme zu machen

Das ARRI-Kino präsentiert am 13. Februar 2011 ein Double Feature mit Filmen der beiden verurteilten iranischen Regisseure. United4Iran Bayern unterstützt diese Veranstaltung und wird mit einem Grußwort und einer Informationskampagne für zahlreiche weitere politische Gefangene vertreten sein.

Als Sonntagsmatinée zeigt das ARRI-Kino in München am 13. Februar 2011 um 11:30 Uhr den mit dem Goldenen Löwen der Internationalen Filmfestspiele Venedig ausgezeichneten Film Dayereh (DER KREIS, OmdtU) von Jafar Panahi aus dem Jahr 2000 sowie im Anschluss um 14:00 Uhr Mohammad Rasoulofs poetische Parabel Keshtzarhaye sepid (THE WHITE MEADOWS, OmeU) von 2009, bei der Panahi den Filmschnitt besorgte.

Jafar PanahiJafar Panahi

Am 20. Dezember 2010 wurden Jafar Panahi und Mohammad Rasoulof zu jeweils sechs Jahren Haft verurteilt. Zudem wurde ihnen für die nächsten 20 Jahre jegliche Tätigkeit als Filmemacher oder Drehbuchautor untersagt. Am 1. März 2010 waren Panahi und Rasoulof mit weiteren 16 Personen in Panahis Haus festgenommen worden. Erst am 25. Mai 2010 wurde Panahi, nach einem Hungerstreik und anhaltenden, weltweiten Protesten – u.a. tränenreich und nachdrücklich von Juliette Binoche auf dem Filmfestival in Cannes –, gegen eine Kaution von 200.000 Dollar aus dem Evin Gefängnis entlassen. Bei seiner Anhörung vor Gericht stellte er am 12. November 2010 fest, dass nicht nur er und seine Kollegen, sondern letztlich „das gesamte gesellschaftlich bewusste, humanistische und künstlerische Kino des Iran, ein Kino, das weder über Gut und Böse urteilt noch sich der Macht oder dem Geld unterwirft, sondern ein wahrhaftiges und wirklichkeitsgetreues Bild unserer Gesellschaft zu zeichnen versucht“, unter Verdacht und Anklage stehe. Seine Analyse sollte sich bewahrheiten: in der Urteilsbegründung heißt es, Panahi und Rasoulof hätten begonnen, einen „Propagandafilm gegen die Islamische Republik“ vorzubereiten, was ein „Verbrechen gegen die nationale Sicherheit“ darstelle. Das Berufungsgericht hätte bereits Anfang Januar 2011 über die Rechtsgültigkeit der Urteile entscheiden sollen; nun wird eine Entscheidung für Mitte Februar erwartet.

Filmplakat von "Der Kreis"Filmplakat von "Der Kreis"

Der inzwischen im Pariser Exil lebende iranische Regisseur Rafi Pitts hat in Solidarität mit seinen verurteilten Kollegen für den iranischen Revolutionstag am 11. Februar zu einem weltweiten Protest gegen das Urteil und zum Streik aller Filmschaffenden aufgerufen. Die Berlinale, die Jafar Panahi als Jurymitglied eingeladen hatte, hat sich dem Protest angeschlossen ebenso wie zahlreiche andere Festivals und Filmmuseen. Auch das ARRI-Kino unterstützt den Protest gegen die Verfolgung, Inhaftierung und Verurteilung der beiden Filmemacher und aller anderen politischen Gefangenen im Iran und fordert die iranische Regierung auf, das Recht auf freie Meinungsäußerung ebenso zu respektieren wie die Einhaltung der Menschenrechte zu garantieren.

Jafar Panahi ist einer der bekanntesten und profiliertesten unabhängigen iranischen Filmemacher. Seine Filme wurden vielfach international ausgezeichnet, unterliegen im Iran jedoch oft einem Aufführungsverbot. Bei den Präsidentschaftswahlen 2009 unterstützte er offen die Grüne Bewegung und zeigte sich auch nach der Wahl mit der Opposition solidarisch. Seine Filme thematisieren die soziale Realität der iranischen Gesellschaft und nehmen dabei häufig die benachteiligte Situation von Frauen in den Fokus.

DER KREIS (Iran, 2000, 88 Min., OmdtU) porträtiert eine Reihe iranischer Frauen in Teheran, die alle in ihrer gesellschaftlichen Situation, v.a. aber in der ihnen zugewiesenen Rolle als Frau, gefangen sind. Eingeschlossen in ein unüberschaubares und unüberwindbares autoritäres System aus Überwachung, Unterdrückung und Ausbeutung muss jeder kleine Moment von Freiheit mühsam erkämpft werden, wobei das Scheitern jedoch allgegenwärtig bleibt.

Mohammad Rasoulof wurde 1972 in Shiraz geboren und hat zunächst Soziologie studiert, bevor er sich als Kurzfilmer einen Namen machte. Er ist gleichermaßen als Dokumentarfilmer wie als Spielfilmregisseur tätig. Premiere feierte THE WHITE MEADOWS, sein dritter Spielfilm, beim Filmfestival in San Sebastian 2009, wo sich Rasoulof deutlich kritisch zum iranische Regime äußerte: „Ich komme aus einem Land voller Widersprüche und voller Leid, in dem eine Diktatur herrscht“ und „Die Zensur erlaubt mir nicht, mich offen über das zu äußern, was in meinem Land passiert“.

Mohammad RasoulofMohammad Rasoulof

THE WHITE MEADOWS (Iran, 2009, 92 Min., OmeU) erzählt bildgewaltig ein Märchen aus einer anderen Welt: Der alte Tränensammler Rahmat rudert über den großen Salzsee Urmia, von Insel zu Insel, von Dorf zu Dorf, um die Tränen der Menschen zu sammeln. Keiner weiß so recht, was mit den Tränen passiert. Eine allegorische Reise durch die bedrohten Naturschönheiten von Urmia und durch leidvolle menschliche Schicksale.

Eintrittspreise:
Für das Double-Feature DER KREIS/WHITE MEADOWS: 14 EUR, Einzelkarte je Film: 8 EUR

Kontakt:
ARRI Kino
Türkenstraße 91
80799 München
Tel. 089 38 89 96 64
Online-Reservierung: www.arri-kino.de

Szene aus "The White Meadows"Szene aus "The White Meadows"